E
etaner
Guest
Das Berlin einer Kölnerin Erinnerungen von 1965 bis 2015
.....ich habe sogar den "berühmten Koffer" noch dort...was sagt Ihr jetzt?
Wenn ich von Hildegard Knef das Lied vom "Wannsee-bad und Wasserrad" höre, spüre ich Tränen.. meine Kölner Kinder essen heute noch "Stullen", in der Schule wurden sie deswegen gehänselt, weil es bei uns Butterbrot heißt, auch unsere Frikadellen sind noch "Buletten",
Berlin muss man fühlen, hören, schmecken (Faßbrause) und natürlich sehen.
Ich kenne Os t- und Westberlin, mit den Seen und dem Grunewald, Habe im Müggelsee gebadet oder in der Havel, auch für den Wannsee habe ich die Badehose eingepackt
Getanzt habe ich in der "Eierschale" (Kudamm) Jazzkeller der 60er Jahre,
die Eisbahn im I-Punkt und die Reklame von Beate Uhse am Mercedeshaus, sind mir noch in Erinnerung.
Meine Familie ist ca 20 Jahre durch die Transitstrecke nach
Berlin -Spandau gefahren, , bloß um in unser Zuhause zu Muttern zu fahren, mußten wir sehr unschöne Kontrollen an den Grenzen über uns ergehen lassen.
Die Transitstrecke war eine Qual, ich meinte immer die Luft anhalten zu müssen. Die Raststätten durften nicht angefahren werden, die „Vopos“, schwer bewaffnet, schauten immer böse
(das meinte ich wahrscheinlich nur) von ihren Wachposten an dieser Autobahn. Es gab an der Grenze einen Passierschein, in welcher Zeit die 200 km durch die Zone, gefahren sein musste.
Bei der „Ausreise“ wurden die Daten kontrolliert.
Wenn das alles geschafft war, fiel auch die Anspannung von uns, jedoch
„drohte“ von hoch oben von einem Sockel, ein Panzer, bestückt mit Beobachtungsposten, bevor wir endlich auf der AVUS waren
,(ehemalige Autorennstrecke)
Wo der Berliner Bär aus Stein winkt, wurde die Welt wieder schön, offen und bunt, wie einzigartig.
In Berlin sah ich auch die ersten Straßencafe´s (1966)
die Lockerheit der Berliner, die Kleinkunst - Theater, die so groß wie Muttern´s Küche waren.
Das "Zille-viertel" faszinierte mich, das “ Berliner Kindl“ schmeckt in Zilles Eck - Kneipe, wo man noch von „Nante“, dem Eckensteher, sprach
Zu Ende war Berlin in allen Himmelsrichtungen, denn man stand immer vor Mauern, Zäunen, gar Panzern...wenn man sich etwas aus dem Zentrum entfernte.
Wir, aus dem Westen konnten einen Passierschein beantragen, für 10 DM-west, die gewechselt werden mußten, die
jedoch nie ausgegeben wurden, weil es „drüben“ andere Preise gab, und man effektiv nichts Kaufbares fand.. So kehrte man mit „ville Blechjeld“ wieder zurück. Immer wieder locker erst nach der Abfertigung in der Kontrollbaracke (die alle einen üblen Geruch nach Desinfektions-mittel hatten.
Trotzdem machten wir
Tagesausflüge nach Ostberlin in "die letzte Instanz", oder in die St. Hedwigskirche waren ein besonderes Erlebnis, wie die Dome und natürlich das abgerissene "Glas - oder Spiegelhaus" am "Alex". Selbst das Haus des Lehrers strotzte bunt und mächtig und damals schon sehr "modern". Auch die Wachablösung zu sehen, war immer eine „Sensation“ (für unsere Kinder)
Kurz nach der Wende, als ich nach längerer Zeit wieder mal in Berlin war, rannte ich vor Euphorie mindestens 5 - 6x durch das Brandenburger Tor, mit Freudentränen im Auge, und Handy am Ohr, meinen Kindern von diesem Ereignis zu erzählen, sie kennen nur die Aussichtsplattform, in der Bernauerstraße, wo Westberlin ja zu Ende war und man von oben in den Ostteil der Stadt sehen durfte, um weinenden Menschen zu winken. ( im Nachhinein unvorstellbar )
Als ich mit meinem Mann in der Nähe des Brandenburger Tors einen Parkplatz suchte, fanden wir eine große Einfahrt in ein vermeintliches Parkhaus. Parkten und fuhren mit dem Aufzug zum Ausgang, wo wir auch eine Toilette fanden.
Einen solch einladenden Vorraum hatte ich noch nie gesehen, es duftete nach teurem Parfum, riesige mit frischen Blumen in kunstvollen Glasvasen, schmückten die hölzernen Waschtische mit den Marmorwaschbecken, darüber goldumrandete schwere Spiegel, hübsche und sehr geschmackvolle Seifenspender ,und die
Armaturen glänzten gülden die ganze Vorhalle war holzgetäfelt,
weiter ging ich in die Kabine und sah in sehr hygienische sanitäre
Anlagen. In einem Wort, ich hielt die Luft an vor Ehrfurcht und
Großartigem.
Über einem dicken roten Flauschteppich,und riesigen Amphoren mit üppig, frischen Blumengestecken vorbei, erreichte man den Hauptflur zum Ausgang auf die Straße.
Wir trauten unseren Augen nicht: rechts und links von einem protzigen Eingangsportal standen zwei livrierte Herren, mit weißen Handschuhen (da wir sie von hinten sahen, konnten wir auch die
Revolver erkennen, die in der hinteren Gesäßtasche steckten.
Während wir zwischen ihnen nun die Stufen hinunter gingen,
legten sie Ihre Hände, als Gruß mal kurz an die Uniformmütze,
erst als ich den Bürgersteig unter meinen Füßen spürte, drehte ich mich um und las mit goldenen Lettern „ADLON“…….
mit weichen Knien ( ich gebe es zu!!) und etwas trockenen Mund, versuchte ich dann diesen zufälligen Besuch zu verarbeiten.
Das Hotel ADLON wird also nur vom vorderen Eingang bewacht!!!!Das fanden wir allerdings etwas komisch.
Die richtige Überraschung erlebten wir dann, als wir später
unseren Parkschein bezahlen mussten.
Es war ein sehr teures „Vergnügen“, aber lohnenswert.
Niemals hätten wir sonst nur ein Stückchen ADLON erlebt.
2011 hatten wir eine Autopanne und mussten 3 Tage in Köpenick warten auf Ersatzteile, doch wir genossen diese „Zwangspause“ wohnten direkt am Tiergarten, von dort frischten wir „ unser
Berlin“ wieder auf und lernten auch Köpenick, als sehenswerten Stadtteil schätzen.
So möchte ich gerne noch erwähnen, dass mein Sohn Alex
In der „krummen Lanke“ als Kind gebadet hat, sicherlich fällt mir noch Weiteres ein, was mich mit Berlin verbindet, doch „olle Nante
wartet an der Ecke auf mich…..
BERLIN ist für mich eine "WOHLFÜHLSTADT" trotz ihrer "Dackelfalten", oder gerade wegen der „Dackelfalten“
Renate Pütz
.....ich habe sogar den "berühmten Koffer" noch dort...was sagt Ihr jetzt?
Wenn ich von Hildegard Knef das Lied vom "Wannsee-bad und Wasserrad" höre, spüre ich Tränen.. meine Kölner Kinder essen heute noch "Stullen", in der Schule wurden sie deswegen gehänselt, weil es bei uns Butterbrot heißt, auch unsere Frikadellen sind noch "Buletten",
Berlin muss man fühlen, hören, schmecken (Faßbrause) und natürlich sehen.
Ich kenne Os t- und Westberlin, mit den Seen und dem Grunewald, Habe im Müggelsee gebadet oder in der Havel, auch für den Wannsee habe ich die Badehose eingepackt
Getanzt habe ich in der "Eierschale" (Kudamm) Jazzkeller der 60er Jahre,
die Eisbahn im I-Punkt und die Reklame von Beate Uhse am Mercedeshaus, sind mir noch in Erinnerung.
Meine Familie ist ca 20 Jahre durch die Transitstrecke nach
Berlin -Spandau gefahren, , bloß um in unser Zuhause zu Muttern zu fahren, mußten wir sehr unschöne Kontrollen an den Grenzen über uns ergehen lassen.
Die Transitstrecke war eine Qual, ich meinte immer die Luft anhalten zu müssen. Die Raststätten durften nicht angefahren werden, die „Vopos“, schwer bewaffnet, schauten immer böse
(das meinte ich wahrscheinlich nur) von ihren Wachposten an dieser Autobahn. Es gab an der Grenze einen Passierschein, in welcher Zeit die 200 km durch die Zone, gefahren sein musste.
Bei der „Ausreise“ wurden die Daten kontrolliert.
Wenn das alles geschafft war, fiel auch die Anspannung von uns, jedoch
„drohte“ von hoch oben von einem Sockel, ein Panzer, bestückt mit Beobachtungsposten, bevor wir endlich auf der AVUS waren
,(ehemalige Autorennstrecke)
Wo der Berliner Bär aus Stein winkt, wurde die Welt wieder schön, offen und bunt, wie einzigartig.
In Berlin sah ich auch die ersten Straßencafe´s (1966)
die Lockerheit der Berliner, die Kleinkunst - Theater, die so groß wie Muttern´s Küche waren.
Das "Zille-viertel" faszinierte mich, das “ Berliner Kindl“ schmeckt in Zilles Eck - Kneipe, wo man noch von „Nante“, dem Eckensteher, sprach
Zu Ende war Berlin in allen Himmelsrichtungen, denn man stand immer vor Mauern, Zäunen, gar Panzern...wenn man sich etwas aus dem Zentrum entfernte.
Wir, aus dem Westen konnten einen Passierschein beantragen, für 10 DM-west, die gewechselt werden mußten, die
jedoch nie ausgegeben wurden, weil es „drüben“ andere Preise gab, und man effektiv nichts Kaufbares fand.. So kehrte man mit „ville Blechjeld“ wieder zurück. Immer wieder locker erst nach der Abfertigung in der Kontrollbaracke (die alle einen üblen Geruch nach Desinfektions-mittel hatten.
Trotzdem machten wir
Tagesausflüge nach Ostberlin in "die letzte Instanz", oder in die St. Hedwigskirche waren ein besonderes Erlebnis, wie die Dome und natürlich das abgerissene "Glas - oder Spiegelhaus" am "Alex". Selbst das Haus des Lehrers strotzte bunt und mächtig und damals schon sehr "modern". Auch die Wachablösung zu sehen, war immer eine „Sensation“ (für unsere Kinder)
Kurz nach der Wende, als ich nach längerer Zeit wieder mal in Berlin war, rannte ich vor Euphorie mindestens 5 - 6x durch das Brandenburger Tor, mit Freudentränen im Auge, und Handy am Ohr, meinen Kindern von diesem Ereignis zu erzählen, sie kennen nur die Aussichtsplattform, in der Bernauerstraße, wo Westberlin ja zu Ende war und man von oben in den Ostteil der Stadt sehen durfte, um weinenden Menschen zu winken. ( im Nachhinein unvorstellbar )
Als ich mit meinem Mann in der Nähe des Brandenburger Tors einen Parkplatz suchte, fanden wir eine große Einfahrt in ein vermeintliches Parkhaus. Parkten und fuhren mit dem Aufzug zum Ausgang, wo wir auch eine Toilette fanden.
Einen solch einladenden Vorraum hatte ich noch nie gesehen, es duftete nach teurem Parfum, riesige mit frischen Blumen in kunstvollen Glasvasen, schmückten die hölzernen Waschtische mit den Marmorwaschbecken, darüber goldumrandete schwere Spiegel, hübsche und sehr geschmackvolle Seifenspender ,und die
Armaturen glänzten gülden die ganze Vorhalle war holzgetäfelt,
weiter ging ich in die Kabine und sah in sehr hygienische sanitäre
Anlagen. In einem Wort, ich hielt die Luft an vor Ehrfurcht und
Großartigem.
Über einem dicken roten Flauschteppich,und riesigen Amphoren mit üppig, frischen Blumengestecken vorbei, erreichte man den Hauptflur zum Ausgang auf die Straße.
Wir trauten unseren Augen nicht: rechts und links von einem protzigen Eingangsportal standen zwei livrierte Herren, mit weißen Handschuhen (da wir sie von hinten sahen, konnten wir auch die
Revolver erkennen, die in der hinteren Gesäßtasche steckten.
Während wir zwischen ihnen nun die Stufen hinunter gingen,
legten sie Ihre Hände, als Gruß mal kurz an die Uniformmütze,
erst als ich den Bürgersteig unter meinen Füßen spürte, drehte ich mich um und las mit goldenen Lettern „ADLON“…….
mit weichen Knien ( ich gebe es zu!!) und etwas trockenen Mund, versuchte ich dann diesen zufälligen Besuch zu verarbeiten.
Das Hotel ADLON wird also nur vom vorderen Eingang bewacht!!!!Das fanden wir allerdings etwas komisch.
Die richtige Überraschung erlebten wir dann, als wir später
unseren Parkschein bezahlen mussten.
Es war ein sehr teures „Vergnügen“, aber lohnenswert.
Niemals hätten wir sonst nur ein Stückchen ADLON erlebt.
2011 hatten wir eine Autopanne und mussten 3 Tage in Köpenick warten auf Ersatzteile, doch wir genossen diese „Zwangspause“ wohnten direkt am Tiergarten, von dort frischten wir „ unser
Berlin“ wieder auf und lernten auch Köpenick, als sehenswerten Stadtteil schätzen.
So möchte ich gerne noch erwähnen, dass mein Sohn Alex
In der „krummen Lanke“ als Kind gebadet hat, sicherlich fällt mir noch Weiteres ein, was mich mit Berlin verbindet, doch „olle Nante
wartet an der Ecke auf mich…..
BERLIN ist für mich eine "WOHLFÜHLSTADT" trotz ihrer "Dackelfalten", oder gerade wegen der „Dackelfalten“
Renate Pütz